„Pflege darf kein Armutsrisiko sein“

Rekord-Eigenanteile machen Reformbedarf deutlich

Während die Kosten für einen Pflegeheimplatz immer weiter steigen, bleibt eine grundlegende Reform der Pflegefinanzierung aus. Für immer mehr Menschen wächst damit die Sorge, ob sie sich notwendige Pflege überhaupt noch leisten können. Die AWO Thüringen fordert deshalb einen grundlegenden Kurswechsel.

„Pflege braucht endlich eine nachhaltige Finanzierung. Statt immer neue Lasten zu verteilen, müssen die Ursachen angegangen werden. Pflegebedürftige dürfen nicht länger die Lücken eines unterfinanzierten Systems ausgleichen müssen", sagt Katja Glybowskaja, Landesgeschäftsführerin der AWO Thüringen.

Die aktuellen Zahlen des Verbandes der Ersatzkassen verdeutlichen den Handlungsdruck: Im ersten Jahr eines Pflegeheimaufenthalts liegt der monatliche Eigenanteil in Thüringen inzwischen bei durchschnittlich 3.163 Euro – und damit etwa doppelt so hoch wie die durchschnittliche Altersrente im Freistaat. Für viele Pflegebedürftige und ihre Angehörigen bedeutet das eine enorme finanzielle Belastung. „Pflege darf kein Armutsrisiko sein. Jeder Mensch muss sich darauf verlassen können, die notwendige Unterstützung zu erhalten, ohne dadurch in existenzielle finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Pflege muss auch im Alter verlässlich und planbar bleiben.“

Bereits seit Jahren fordert die AWO Thüringen eine grundlegende Reform der Pflegefinanzierung. Langfristig setzt sich der Wohlfahrtsverband für eine Pflegevollversicherung ein. Während die Pflegeversicherung heute nur einen Teil der Kosten übernimmt und Pflegebedürftige einen erheblichen Eigenanteil selbst tragen müssen, sollte sie künftig die notwendigen Pflegeleistungen vollständig absichern. Niemand darf aus finanziellen Gründen auf notwendige Pflege verzichten müssen.

Dafür müssen Bund und Länder die Finanzierung der Pflege dauerhaft auf eine verlässliche Grundlage stellen. Gesamtgesellschaftliche Aufgaben dürfen nicht länger aus den Beiträgen der Pflegeversicherung finanziert werden. Gleichzeitig fordert die AWO Thüringen den Freistaat auf, Investitionskosten für Pflegeeinrichtungen stärker zu übernehmen, damit notwendige Modernisierungen nicht über steigende Eigenanteile auf die Bewohnerinnen und Bewohner abgewälzt werden. Auch pflegende Angehörige brauchen spürbare Entlastungen.

Ebenso wichtig sind gute Arbeitsbedingungen in der Pflege. Tarifliche Lohnsteigerungen müssen deshalb auch zukünftig vollständig refinanziert werden. Denn nur wirtschaftlich stabile Einrichtungen können faire Löhne zahlen, Fachkräfte gewinnen und eine verlässliche Versorgung sicherstellen. Bezahlbare Pflege und gute Arbeitsbedingungen gehören untrennbar zusammen.

„Seit Jahren wird an einzelnen Stellschrauben gedreht, anstatt die Pflege endlich grundlegend neu aufzustellen. Wenn wir das System jetzt nicht reformieren, wird es schlicht zusammenbrechen. Was wir brauchen, ist keine weitere Verschiebung von Lasten, sondern eine Reform, die die Pflege bezahlbar macht, die Beschäftigten stärkt und die Versorgung der Menschen dauerhaft sichert“, so Glybowskaja.

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